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Faszination Berge - mit dem Alpenverein wird die Bergwelt für Jeden zum Erlebnis

Die Sektion Schorndorf/Backnang des Alpenvereins lädt Sie ein, sich umfassend über unser Programm und unsere Aktivitäten zu informieren. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern auf unserer Website. Sie haben Fragen und Anregungen? Rufen Sie uns an oder schicken uns eine Nachricht. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

Ihre DAV-Sektion Schorndorf mit Bezirksgruppe Backnang

Am Venezianischen Hafen in Chania

Unsere Reise beginnt mit einer ¾ Stunde Verspätung am Stuttgarter Flughafen, wir sind jedoch schnell im Fluge und so werden wir fast pünktlich am Flughafen in Chania abgeholt und in einer knappen ¾ Stunde zu unserem Hotel Dimitra in Almyrida gebracht. Die Zimmerbelegung geht schnell vonstatten, das abendliche Buffet ist bereits eröffnet, im Freien auf der großen Terrasse neben Swimmingpool und Pool-Bar bei milden, abendlichen Temperaturen. Wir wußten bei uns zu Hause schon lange nicht mehr, daß es so etwas überhaupt gibt. Wir – das sind 12 Alpenvereinsmitglieder aus Schorndorf, bunt gemischt, 3 Paare, 6 Frauen und 6 Männer, alle Altersgruppen von 54 bis 78. Wir harmonieren, kennen uns bereits von früheren Ausfahrten. Wir kennen noch nicht Theo, unseren örtlichen Ansprechpartner, und so beschließen wir unseren ersten Abend auf Kreta mit köstlichem, kretischen Wein und einer ersten Runde Raki, jammas!

 

Pünktlich am nächsten Morgen treffen wir zur verabredeten Zeit um 9 Uhr Theo und seine Frau Petra, die uns am ersten Tag zu einer Rundwanderung durch typische Dörfer entführen wollen. Die Fahrt dauert nicht lange, so starten wir in Vafes, einem kleinen Dorf am Rande der Lefka Ori, den Weißen Bergen. Blühende Oleander, Orangen- und Zitronenbäume mit schon reifen Früchten, der Duft von Koriander und Thymian berauscht unsere Sinne. Ein außerplanmäßiger Halt führt uns in das kleine Bergdorf Tzitzifes, um den Freund eines Freundes zu begrüßen, den wir nicht einmal kannten. Zu unserem Erstaunen besitzt er eine kleine Taverne, wir richten die Grüße aus und bestellen einen Kaffee. Wir bekamen den auch, dazu aber eine Runde Raki, wir bekamen Brot vorgesetzt und Ziegenkäse, den Nikos, so heißt der Freund, selbst hergestellt hatte. Als wir zahlen wollten, wies er dieses Ansinnen weit von sich, denn, so Theo, er wäre tief gekränkt gewesen , wenn wir seine Gastfreundschaft nicht akzeptiert hätten. Wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit dieses Mannes, der, so schien es uns, bescheiden war und offensichtlich nicht im Überfluß lebte. Die planmäßige Pause im Dorf danach fiel dadurch aus, die Besitzerin war uns deshalb nicht böse – kretische Eigenschaften, die uns sehr beeindruckten. Noch ein Wegstück weiter und wir waren wieder im Dorf angekommen, in dem wir vor 5 Stunden aufgebrochen waren. Nachdem uns Theo zum Hotel Dimitra zurückgefahren hatte, verließ er uns für die nächsten Tage und überließ uns somit unserem Schicksal. Abends folgte eine vorzügliches Menue der griechischen Köchin, das uns bei frühsommerlichen Temperaturen wiederum im Freien serviert wurde.

 

Der nächste Tag sollte uns bereits auf die Askifou-Hochebene führen. Gestartet sind wir um 8.30 Uhr, Petra brachte uns ins kleine Bergdorf Amoudari ( 650 m ), von wo aus wir um 9.20 Uhr unseren Aufstieg auf alten Eselspfaden aufs Niato-Plateau ( 1220 m ) begannen. Das Plateau begeistert uns durch seine unendliche Weite, nur einzelne Dornenbüsche und struppiges Geäst bilden die Kulisse für die vereinzelten Schafe, die sich ab und zu blicken lassen. Wir verlassen dort den E 4 und wenden uns nach Süden zur Sfakiano-Schlucht. Die sieht zunächst gar nicht so aus wie sie heißt. Es setzt sich zunächst der Charakter einer Hochebene fort – fast lieblich, um dann jedoch urplötzlich in nahezu wegloses, steiles, verwachsenes, mit umgestürzten Bäumen versperrtes, urwüchsiges Gelände überzugehen. Gelegentlich liegen noch Knochenreste ohne und auch mit Ziegenfell in einer Fels- nische, wir ahnen nichts Gutes. Das dauert so eine ganze Weile und beansprucht eine ganze Menge Zeit. Endlich erreichen wir die Talsohle auf ca. 600 m Höhe, doch noch lange nicht sind wir am Ziel. Denn jetzt erst beginnt der endlos lange Marsch auf groben Flußkies bis fast vor ans Lybische Meer. Doch auch dort müssen wir uns noch einmal nach Westen wenden, um schließlich in Chora Sfakion in der Taverne Samaria am Hafen zu enden. Wir hatten 17.00 Uhr vereinbart, um von Petra ins 600 m hoch gelegene Anopoli gefahren zu werden. Ein sehr langer Tag, der in einem typischen ländlichen Gasthof ( Hotel ) endete, in dem wir hervorragend untergebracht wurden und ein köstliches Mahl mit zahlreichen Gängen mit griechischen Spezialitäten serviert bekamen. Alles im Freien, und Raki unter-stützte unsere Glückseligkeit.

 

Da dieser Übernachtungsort weit entfernt von Agios Ioannis ( 800 m ), dem Ausgangspunkt unserer Wanderung am nächsten Morgen entfernt lag, wurden wir auf einem offenen Pritschenwagen dorthin gebracht, ein besonderes Vergnügen, ohne Helm und Anschnallpflicht auf Holzbänken zu sitzen und die frische junge Luft um die Nase wehen zu lassen. Zunächst auf steinigem, von Mäuerchen umrahmten Weg etwas bergab, dann wieder durch die typische offene und karge Landschaft, die neben der mediterranen Macchia-Flora mit Olivenbäumen, Johannisbrot und Aleppo-kiefer auch eine spezielle ostmediterrane Flora mit immergrüner Kermeseiche und Erdbeerbaum aufweist. Dann endlich auf ca. 600 m Höhe der ersehnte Blick tief unten auf das Lybische Meer, tief blau und weiße Schaumkronen der Brandung, mehr Kitsch geht nicht. Wir sind überwältigt und müssen eine ausgiebige Rast einlegen. Auf kühn angelegtem, gepflasterten Treppenweg erreichen wir schließlich die Gestade des Mittelmeeres, wo sich unser Weg wieder mit dem Küstenweg des E 4 vereint. Wir besichtigen die kleine, uralte byzantinische Kapelle Agios Pavlos, und stärken uns in der Taverne Saint Paul, die unmittelbar dabei steht. Wir genießen diese Pause am Meer, denn wir haben nur noch eine starke Stunde bis zum Etappenziel Agia Roumeli zu gehen, auch da noch hie und da beschwerlich im Sand und feinem Kies zu gehen. Dennoch eine sehr angenehme Etappe. Wir sind hocherfreut, daß unser Gepäck bereits im Hotel Kri-kri eingetroffen ist, da ja übers Meer angeliefert werden muß. Baden ist heute noch nicht angesagt, die Brandung ist denn doch zu heftig.

 

Wir finden, daß wir einen Ruhetag verdient haben. Agia Roumeli besteht aus einer Ansammlung mehrerer Häuser, nicht gerade typisch kretisch gebaut, meist Restaurants, kleine Hotels und einige Privatquartiere zur Zimmervermietung. Ein angenehmer Aufenthalt mit Bademöglichkeit ist garantiert. Abends vermisst man die vielen Schluchtengeher, die sich nachmittags noch in den Restaurants erholen, kaum, das Gedränge vor den Fähren, die diese Menschenmassen zurückbringen in die lärmende Welt, amüsiert uns, denn zuletzt werden doch alle wieder mitgenommen. So genießen wir die Ruhe und das Kri-kri, dessen Namen wir am 2. Abend fälschlicherweise mit `chicken` in Verbindung bringen ( weil`s uns serviert wird ), das aber im Touristenjargon für Wildziege steht. Die Naßzellen sind etwas klein geraten, wohl griechischer Standard, doch wir haben ja das Lybische Meer vor der Haustüre und zur freien Verfügung. Den freien Tag nutzen wir zum Besuch des Castro, eine ehemalige türkische Festungsanlage nur 200 m über dem Ort mit herrlicher Aussicht auf das Meer und den Weg, den wir am Vortag gekommen sind. Wir sehen den Eingang zur Samaria-Schlucht, gehen dort auch hin, lassen es damit aber gut sein. Uns zieht es zum Wasser, das angenehm warm ist, erfrischend zugleich, die Brandung macht riesigen Spaß. 3 von uns haben den Umweg über den Papoures ( 983 m ) gewählt und sind dann doch noch Baden gegangen.

 

Doch wir sind und bleiben hungrig aufs Wandern und freuen uns schon, die Schlucht der europäischen Schluchten aufstrebend zu begehen. Wir nutzen die relative Kühle des Morgens und erkaufen uns bereits kurz nach 9 Uhr den Eintritt zur Samaria-Schlucht. Derweil lassen wir unser Gepäck im Hotel zurück, und können nur wieder staunen, auf welchen Wegen und Umwegen das richtige Gepäck zum richtigen Ort gebracht wird, ein riesengroßes Kompliment an dieser Stelle Theo, der diese logistische Meisterleistung zuwege bringt. Diese freudigen Gedanken belasten uns weiter nicht. Vielmehr nähern wir uns langsam dem gewaltigen Naturwunder Samaria-Schlucht. Der wasser-führende Fluß muß mehrfach auf hölzernen Stegen und Trittsteinen gequert werden. Der Weg ist angenehm zu gehen, so daß Zeit bleibt, den Blick nach oben zu richten, um zu sehen, wie die Schluchtenwände immer höher werden und zusammenrücken. So ist auch bald die `Eiserne Pforte` erreicht, die mit 6 m Breite engste Stelle der Schlucht mit 600 m hoch aufragenden Wänden zu beiden Seiten. Die Menschlein darunter müssen diese wasserführende Stelle auf einem hölzernen Brettersteg überwinden, nicht sehr spannend, aber sehr attraktiv und im Begegnungsverkehr zu schmal. Der Weg geht angenehm weiter, nach 2 ½ Stunden erreichen wir die ehemalige Siedlung Samaria, deren Bewohner 1962 ihre Häuser verlassen mußten, als die gesamte Umgebung der Schlucht zum Nationalpark erklärt wurde. Heute Magnet für müde und erschöpfte Wanderer, die zu 95 % von oben her die Schlucht begehen. Auch wir legen hier eine längere Pause ein. Neben notwendigen Dingen, die erledigt werden müssen, ist es sehr interessant und amüsant zu beobachten, wie die `Leut` daherkommen. Nach einer angemessenen Pause setzen wir unseren Marsch fort, nachdem auch der Gegenverkehr von oben merklich nachgelassen hat. Das Gelände wird steiler, der Weg ist aber nach wie vor angenehm zu gehen. Der meist bewaldete und beschattete Weg läßt viel Zeit zum Beobachten. Die kleinen Rastplätze mit gefassten Quellen werden zahlreicher. Wir sind fasziniert von der Artenvielfalt. Höhe gewinnen wir jetzt in zahlreichen Serpentinen, zuletzt plagen uns etwas die hohen Stufen, die uns zum Ausgang der Schlucht auf 1230 m führen. Dieser Ort heißt Xiloskalo und liegt am Rande der Omalos-Hochebene. Wir melden uns am Kassenhäuschen ab, haben keinen Verlust zu verzeichnen, doch die Lust zum 4 km entfernten Quartier zu gehen, hält sich nach gut 7 Stunden Aufstieg in Grenzen, zumal es jetzt auf der baumlosen Hochebene brutal heiß geworden ist. Während wir den hoteleigenen Transporter anfordern und warten, haben wir Muse, die weite Landschaft - mit einer Erfrischung aus der nahegelegenen Taverne – zu bestaunen. Wir nutzen die Sitzterrasse des Hotels Exari vor dem Haus zur Straße in der abendlichen Sonne ausgiebig, denn unser Gepäck ist noch nicht eingetroffen. Der Weg übers Meer ist lang, die Zeit unberechenbar und der Weg über Land ist kurvenreich. Im Nebengebäude befindet sich eine kleine Käserei. Wir haben die Gelegenheit, auch da reinzuschauen und uns so etwas die Zeit zu vertreiben. Wir werden entschädigt mit einem fulminanten Abendessen. Der Gastraum ist proppenvoll, die guten Geister des Hauses sind einschließlich der Patronin überaus herzlich. Wir fühlen uns sauwohl und unterstützen diese Erkenntnis mit `Griechischem Wein ` und Raki. Der Abend dauert lange – wie immer.

So beginnt der nächste Tag etwas später, was sich zum Schluß als ein kleiner Nachteil erweisen sollte. Die Hausbesatzung fährt uns erfreulicherweise wieder an den Ausgangspunkt unserer letzten Wanderung nach Xiloskalo. Wir wollen den Gingilos ( auch Gigilos ) besteigen, der uns eine fantastische Aussicht bescheren soll. Der erste Abschnitt des Aufstiegs ist noch sehr angenehm, vereinzelte Bäume spenden immer wieder Schatten. Danach queren wir den oberen Rand der Samaria-Schlucht, die wir noch einmal eingehend bewundern können. Wir verlieren noch einmal deutlich an Höhe. Danach wieder steiles Gelände, hoch oben können wir für kurze Zeit Bartgeier in ihrem majestätischen Flug beobachten, 10 waren es zuletzt, sie waren aber ebenso schnell wieder verschwunden, wie sie erschienen. Zuletzt in Serpentinen zu einer Einsattelung, an der sich der bisherige E 4 trennt, und wir den letzten Anstieg zum Gipfel des Gingilos angehen. Dieser Weg ist gut markiert, was auch durchaus notwendig ist. Mehrfach müssen die Hände zu Hilfe genommen werden, was für unsere nicht so geübten Mitwanderer durchaus eine kleine Herausforderung darstellt. Letztlich haben es doch alle in knapp 3 Stunden zum Gipfel des Gingilos auf 1974 m geschafft. Welch eine grandiose Aussicht nach allen Seiten, nach Süden zum nahen Lybischen Meer und vor allem nach Norden in die Bucht von Almyrida mit der markanten, vorgelagerten Insel. Erst von hier oben erkennt man auch die Weite und Schönheit der Omalos-Hochebene. Wir legen hier eine längere Pause ein, um diesen Anblick zu genießen. Währenddessen eilt eine kleine Gruppe zum benachbarten Volakias, der noch etwas höher ist. Wir treten den Rückweg an, der doch etwas mühsam ist. Es ist auch etwas zu heiß geworden. Ohne zu wissen, wann wir eigentlich aufgebrochen sind, erscheint Theo pünktlich um 17 Uhr am vereinbarten Ort, um uns abzuholen. Das Gepäck hatte er schon zuvor im Hotel Exari eingeladen und so konnte er uns zügig zurückfahren ins Hotel Dimitra in Almyrida, wo wir noch einen langen und lustigen Abend verbringen konnten. Zuvor mußten wir uns von Theo und seiner Frau Petra verabschieden, die uns vor und hinter den Kulissen hervorragend betreut haben, liebenswürdig und professionell. Der Abend wurde eingeleitet mit einem köstlichen BBQ, das die griechische Köchin, wie bereits gewohnt, schmackhaft zubereitet hatte. Der Abend ging noch lange nicht zu Ende. Wir haben getanzt und wir haben gelacht. Das Leben auf Kreta ist wundervoll. Eine musikalische Aufforderung ließ uns zu Meistern des Sirtaki-Tanzens werden. Wir hatten an diesem Abend noch viel Kraft und Ausdauer zum Tanzen, es war ja unser letzter Abend auf Kreta.

 

Der Abreisetag bot uns noch die Gelegenheit, Chania kennen zu lernen, da wir ja erst am Abend unseren Rückflug nach Stuttgart antreten mußten. Morgens noch ein letztes Bad im Meer, Frühstück mit eigenhändig gepresstem Orangensaft, dann mit dem Linienbus nach Chania, bummeln in der Alt-stadt und am venezianischen Hafen. Zurück am Hotel und wir wurden pünktlich zum Flughafen gebracht.

 

Wir hatten viel gesehen, haben eine Menge über Land und Leuten erfahren, Theo hat uns viel darüber erzählt. Wir waren mit der Auswahl der Wanderungen und der Unterkünfte hochzufrieden. Wir haben die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Kreter erfahren und haben uns, wenigstens ein bisschen, in Kreta verliebt. Abends vor dem Abflug waren wir dann doch froh, in die alte Heimat zurückkehren zu können, denn wir konnten uns doch nicht so schnell an 36 ° im Schatten gewöhnen.

Text und Bilder: Karl Ostermann