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Trekkingtour im Hohen Atlas

 

Ziemlich in der Mitte der Nacht trafen sich 14 Mitglieder der Trekkingtour in Schorndorf zur Busfahrt zum Flug-hafen Frankfurt, um gemeinsam mit den beiden schon anwesenden Wanderfreunden um 8.00 Uhr den Flug über Madrid nach Marrakesch anzutreten. Mit mittelgroßem Gepäck wurden wir von unserem späteren Trekking-Guide in Empfang genommen und gemeinsam mit den Lufthansa-Fliegern, die bereits eingetroffen waren, zum Hotel Islane im Herzen Marrakeschs gebracht. Nach einer kurzen Erfrischungspause wurden wir zu einer Stadtführung abgeholt, die immerhin 3 ½ Stunden gedauert hat, incl. einer Vorführung mit Gewürzen und Schönheitssalben, einschließlich Massage, wer will. Ein sehr verheißungsvoller Anfang zum Wohlfühlen. Abends schließt sich ein üppiges Mal an hoch über den Dächern der Medina. Wir könnten also auch gleich hier bleiben. Der Tag schließt mit einem letzten Bierchen auf der Hotelterrasse.

 

Der nächste Tag beginnt wieder auf der Dachterrasse des Hotels mit dem Frühstück. Danach fahren wir los mit 2 Fahrzeugen Richtung Imlil, das Bergsteigerdorf im Hohen Atlas, von dort beginnen die meisten Trekkingtouren. In der Imlil-Lodge, die wir bei unserer Rückkehr wieder besuchen werden, legen wir einen Zwischenstopp ein, es wird auf der Dachterrasse Tee serviert. Währenddessen werden unsere 9 Maultiere beladen. 1 Maultier kann mit bis zu 120 kg Gepäck beladen werden. Um 10.30 Uhr marschieren wir los, und damit beginnt unser großes Abenteuer.

 

An diesem 1. Trekkingtag sind nur versöhnliche 600 hm zu bewältigen, den Paß ( Tizi`n Tamatert, 2279 m ) erreichen wir nach 1 ½ Stunden. Es geht noch einmal 100 m runter ins höchste Hochtal des Hohen Atlas, noch ein kleiner Anstieg, und wir stehen mit offenen Mündern in einem kleinen Wäldchen vor einer gedeckten Tafel, in diesem Fall eine große Flechtmatte, drum herum unsere Schlafmatten zum Sitzen, derweil unsere beiden Köche ein herrliches Mittagsmahl gezaubert haben. Es wird uns Tee gereicht, auf großen runden Platten werden feinst angerichtete Gemüsevariationen, Nudeln, Thunfisch, Fleischbällchen und die obligatorischen Brotfladen gereicht, Melone zum Nachtisch. Wir lassen uns lange Zeit, das ist eben Trekking im Hohen Atlas. Erst um 3 Uhr geht es weiter, es sind noch knapp 2 Stunden bis zum Quartier, ein altes Gehöft mit angrenzender kleiner Wiese für unsere Zelte. Unsere Mulis sind schnell. Als wir ankommen, sind die Zelte bereits aufgebaut, Tee wird gereicht, unsere Köche bereiten das Abendmahl vor. Unglaublich, was wir geboten bekommen auf 2200 m Höhe. Dieses war der 2. Tag, doch der 3. folgt sogleich.

Nach einem nächtlichen Sternenhimmel, wie wir ihn noch nie gesehen haben, Sterne so zahlreich und riesengroß anzusehen, so leuchten und so nah in einer rabenschwarzen Nacht, werden wir kurz nach 5 Uhr geweckt, bis zum Frühstück bei Kerzenschein im Hauptzelt um 5.30 Uhr muß unser Gepäck bereits gepackt sein, denn während wir frühstücken werden unsere Zelte bereits abgebaut und die Mulis beladen. Um 6.30 Uhr ist es dann schon hell, und es beginnt eine sehr lange und anstrengende Etappe. Von ca. 2200 m Höhe geht es zunächst im Schatten bergauf, nach 2/3 der Strecke brennt dann die Sonne auf unsere Häupter. Den Paß Tizi Likemt ( 3555 m ) erreichen wir nach 4 ½ Stunden. Pause.Wir verlassen den Paß nach einer halben Stunde, auch, weil es dort oben sehr stürmisch ist. Knapp darunter erhaschen wir zum ersten Mal einen Blick auf den Jebel Toubkal. Noch steht uns aber ein sehr anstrengender Abstieg in der prallen Sonne bevor. Bei der Alpe Azib Likemt auf 2600 m Höhe stehen bereits unsere Zelte, wir haben bis dorthin noch einmal 2 Stunden gebraucht, es ist jetzt ½ 3 Uhr. Zur Erfrischung gibt es natürlich wieder Tee und im völlig überhitzten Essenszelt ein köstliches Mittagsmahl. Danach suchen wir im nahegelegenen Gebirgsbach Abkühlung, Körperpflege und dann Ruhen. Um 18 Uhr Tea-Time, unsere Guides sind perfekt im Einschenken. Um 19.30 Uhr wird wieder ein Menue aus 1001 Nacht gereicht. Die Nacht bricht abrupt herein, daher ist es auch unter Trekkern üblich, früh zu Bett ( Zelt ) zu gehen.

 

Der nächste Tag bringt etwas Erholung. Alte Prozedur. Aufstehen und Packen vor 6 Uhr, von 6 – 7 Uhr Frühstück und um 7 Uhr geht`s auch gleich los. Die Höhe ist `s nicht, die Länge macht`s. Wir durchwandern ein wunderschönes Hochtal, das zum Schluß etwas steiler ansteigt, und erreichen den Paß ( Tizi`n Ououraine, 3120 m ) schon um 10.30 Uhr. Ausgedehnte Pause und wieder ein Blick auf unseren Sehnsuchtsberg. Wir werden mit Nüßchen versorgt. Nach gut einer Stunde beginnt der sehr lange, traumhafte Abstieg. Wir legen oft Pausen ein, da wir ja Zeit haben, genießen den Blick zum südlich gelegenen Gebirgszug des Anti-Atlas, erblicken eine Oase weit unter uns im Tal mit einigen Lehmhäusern am Hang, gegenüber sind Terrassenfelder angelegt für den Getreideanbau. Je weiter wir gehen, kommen neue Häusergruppen, Palmen und Feldterrassen zum Vorschein. Wir staunen, wie groß Oasen sein können in einem engen Tal. Wir passieren riesige Ziegenherden, die 500 Tiere oft überschreiten. Der Talabstieg endet im schönen Berberdorf Amsouzert auf 1800 m Höhe. Es ist jetzt 14 Uhr. Wir beziehen eine Gite d`Etape und werden natürlich mit Tee empfangen. Auch hier wirken unsere Köche und so müssen wir nicht lange auf unser zauberhaftes Mittagsmahl, bestehend aus einer riesigen Gemüseplatte, Nudeln und Rühreiern. Bisher haben wir gerne verzichtet, weil `s keine gab, jetzt stünden 2 Duschen zur Verfügung, aber das Wasser ist rar. Frisch erholt, gehen wir ins Dorf, erstehen Bananen, überqueren ein zu dieser Jahreszeit trockenes Flußbett, gelangen ins Oberdorf. Im Schatten von Nußbäumen, die es hier massenweise gibt, genießen wir in einem `Straßencafe` frisch gepreßten Orangensaft und ein Tässchen Kaffee. Dabei beobachten wir Land und vor allem Leute, alles geht viel geruhsamer vonstatten, manchmal kommt ein klappriges Auto vorbei oder ein alter Pritschenwagen keucht den Hang nach oben, da haben es beladene Esel viel leichter. Kinder kommen von der Schule, Mädchen und Jungs getrennt. Wir gehen zurück zur Gite, genießen ein ums andere Mal die Kochkunst unserer Köche, laden unsere Akkus auf, und verkriechen uns alsbald in unsere schlichten Zimmer, die mit Matratzen ausgelegt sind.

 

 

Auch am nächsten Tag ist es uns nicht vergönnt, länger zu schlafen. Unerbittlich stehen wir um 7 Uhr wieder auf der Straße, obwohl wir einen `kurzen `Tag vor uns haben, nur 600m im Aufstieg und 100 m im Abstieg zum Lake Ifni ( ca. 2200 m ). Aber dieser See lockt. Dennoch geht alles gemächlich zu.Wir durchwandern kleine dörfer und finden uns unvermittelt wieder unter Walnußbäumen mit Tischen und Stühlen und ehe wir uns versehen, wird uns Tee serviert, es wird köstliches Fladenbrot gereicht, dazu Olivenöl und frischer WabenhWir schwelgen in dieser paradiesischen Umgebung. Im Haus auf der anderen Straßenseite haben wir die Gelegenheit, eine dörfliche Küche mit Herdstelle zu besichtigen. Dann geht `s weiter. Wir legen nochmals kleine Pausen ein, blicken zurück ins Tal der aufgehenden Sonne entgegen und erreichen schließlich die Paßhöhe hoch über dem giftgrünen Lake Ifni. Auch hier gibt es eine kleine Verkaufsstelle. Pause. Dann marschieren wir in einem großen Bogen rund um den halben See zu unserem Quartier mitten im grobgerölligen Flußbett, das zum See führt. Unsere Zelte sind natürlich schon wieder aufgebaut, das Küchenzelt seht und der Tee fließt in Strömen. Von da an haben wir viel Zeit und Muse. Bevor wir alle ins Wasser gehen, hat die Küchenmannschaft wieder Zauberhaftes geschaffen. Der Bauch sollte jetzt ruhen, doch die gar nicht so kalten Wässer ( ca. 17 ° C ) ziehen uns magisch an, wir uns aus und gehen baden. Nebenan am Hang stehen kleine Kioske und so lassen wir es uns nicht nehmen, dort einen Kaffee zu trinken. Kleine unsichtbare Mücklein stechen und vertreiben uns zurück ins Essenszelt, Tea-Time und dann Abendessen. Bedeutende Nebensache: Das Toilettenzelt steht 30 m abseits und ist nur über Geröll zu erreichen. Beim nächtlichen Gang dorthin ist beschwerlich, zuweilen erschrecken uns unsere Mulis, die wahllos in der Nacht mitten im Geröll stehen und nicht schlafen können, uns aber nichts tun. Die Sterne leuchten längst nicht mehr so intensiv wie am ersten Tag.

 

Der nächste Tag beginnt schon um 4.30 Uhr. Nach dem Frühstück um 5 Uhr ( Kerzenschein und Stirnlampe im Einsatz ) trotten wir um 6 Uhr aufmerksam in langer Schlange fast eine Stunde lang über das grobschottrige Flußbett zum Beginn des normalen steilen Aufstiegsweg.Der Weg ist angenehmer zu begehen, zudem bleibt es zunächst schattig. Fast 1400 hm liegen noch vor uns. Immer wieder kleine Pausen. Ansporn erfahren wir durch vorbeieilende Mulis. Selbst in dieser Höhe entfaltet die Sonne eine unglaubliche Hitze und auszehrende Energie. Nach 5 Stunden erreichen wir um 11.00 Uhr die Paßhöhe des Tizi`n Ouanoums ( 3664 m ). Die Mulis sind weitergezogen, die Treiber haben uns freundlicherweise Brot und Ölsardinen zurückgelassen. Eine Delikatesse in Marokko und so lassen auch wir uns Zeit, dies alles und die Weitsicht zu genießen. Der Abstieg zur Neltnerhütte zu Füßen des Jebel Toubkal auf 3200 m Höhe ist steinig und lang. Nach 1 ½ Stunden erreichen wir unseren Zeltplatz daneben. Ein großes Steinhaus wird unter der Regie des französischen Aplenvereins geführt, das 2., etwas kleinere wird berberisch betreut. Dort haben wir Gelegenheit, zu duschen. Danach Mittagessen im Großzelt, danach Umgebung inspizieren, Tee trinken, Abendessen und früh zu Zelte gehen.

 

Der 4. Juni ist unser Tag. Da wollen wir alle auf `den `Berg, den Mount Toubkal, mit 4167 m der höchste Berg Nordafrikas. Alle sind bereit bis auf 2, die wollen auch nach oben, können aber nicht und bleiben somit unten. Kurz nach 3 Uhr wird geweckt, Frühstück wird verkürzt und um 4 Uhr geht`s los, 2 Stunden im Scheinwerferlicht der Stirnlampen dem Himmel entgegen. Das Terrain ist nicht allzu schwierig, Schneefelder gibt es kaum, das geht alles sehr gut.Schon um 7.35 Uhr ist der Gipfel erreicht, die Sonne scheint jetzt angenehm, die Sicht ist prächtig, auch Imlil, unser Ausgangs- und Endpunkt ist zu sehen, dazu wird eine lange Pause mit Verpflegung eingelegt. Bestätigten Berichten zufolge sollen auch ein paar Freudentränchen geflossen sein. 4000er besteigt man auch in Afrika nicht so ohne weiteres. 18 Bergsteigerinnen und Bergsteiger haben es geschafft, das ist schon eine Anerkennung wert. Mit dem Gefühl, etwas Großes geschafft zu haben, beginnt wieder der Abstieg. Leichtfüßig. Um 11 Uhr erreicht die Gruppe wieder das Camp. Jetzt wird gepackt, Tee getrunken und zu Mittag gegessen. Um 12.45 Uhr beginnt der weitere lange Abstieg ins ferne Imlil. An einer Klosteranlage ( Wallfahrtsort ) vorbei, ein weiteres kleines Dörfchen, schließlich im Tal die `Vororte `von Imlil. Um 17.00 Uhr erreichen wir die Imlil-Lodge auf 1800 m Höhe. Damit wurden an diesem Tag 1000 hm aufgestiegen und 2500 hm abgestiegen, eine großartige Leistung. Die Trekkingtour ist damit zu Ende. Wir hatten eine unglaubliche Betreuung durch unsere beiden Guides, Ibrahim I und Ibrahim II, Mohamed hat tatkräftig assistiert. Die beiden Köche haben Fantastisches geleistet, niemand ist annähernd verhungert. Hochachtungsvoll verneigen wir uns auch vor den Mulis mit ihren Führern. Eine geile Tour hat uns alle begeistert.

 

7 Teilnehmer fahren sofort weiter und zurück nach Marrakesch, wo sich deren Wege wiederum trennen zur sofortigen Heimkehr ins Remstal, zum weiteren Aufenthalt in Marrakesch und zum Baden in Essaouira. 13 Teilnehmer haben sich noch vorgenommen, die Wüste kennenzulernen. Nach einer Nacht in der Lodge, in der wir noch einmal köstlich bewirtet wurden, beginnt am nächsten Tag die lange Fahrt durch das Reich der Berber in den südöstlichen Zipfel des großen Landes Marokko, zu den Wanderdünen, zu den Dromedaren, zum Ritt auf diesen stolzen Tieren, wir haben noch viele Erlebnisse vor uns.

 

Karl Ostermann

örtlichen Guide