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Aufstieg Colle della Crocetta

Dieses Jahr erwartet uns die Querung der besonders tief eingeschnittenen 3 Lanzotäler mit den größten Höhenunterschieden. Wir sind gespannt was uns erwartet. Der erste Tag führt uns schon auf den Colle della Crocetta mit 2641 m, immer den Lago Ceresole Reale im Tal und den Gran Paradiso im Rücken. Der Abstieg mit 1600 hm ist nicht zu verachten. Die Wetterverhältnisse sind aber gut und von daher müssen wir uns zwecks der Zeit keine Sorgen machen. So geniessen wir die erste Übernachtung in Pialpetta in einem ordentlichen Bett. Das war auch gut so, denn am zweiten Tag steht uns ein Aufstieg mit knapp 1700 hm bevor. Morgens geht es schattig und gemässigt hoch durch Wald, weiter oben bei angenehmen Temperaturen an verlassenen Almen vorbei zu den Laghi di Trione. Dort ist in landschaftlich toller Umgebung eine Rast angesagt. Weiter zieht der Weg abwechslungsreich, z.T. leichte Kletterei, mal schöner Paßweg hoch zum Colle di Trione 2485 m.

Der Abstieg fordert allerdings Tribut. Zum Schluß kämpfen wir uns noch auf einer Teerstraße hoch zu unserer Unterkunft dem Albergo Camussot, am letzten Ende von Balme, einem früher bekannten alten Bergsteigerdorf. Der Übergang zum 3. Lanzotal hat zwar nicht soviele Höhenmeter, ist aber steil und wir wandern den größten Teil im Nebel, es ist ziemlich schwitzig. Wieder an Seen vorbei und über 2 Päße mit knapp 2500m. Oben erwartet uns ein spannender Blick in die umliegenden Berge, immer zwischen auf- und abziehenden Nebelschwaden und Sonnenschein. Der Abstieg ist steil, erfordert Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, da der Weg z. T. auch abgeruscht ist. Weiter geht’s Richtung Rocciamelone, dem höchsten Wallfahrtsberg der Alpen mit 3538 m. Bei gutem Wetter ein Muß! Die Querung zum Rifugio Ca d'Asti ist etwas anspruchsvoll, aber ein schöner Höhenweg, 2000 m über dem Susatal. Die Anstrengung der letzten Tage stecken noch in den Knochen, aber auf der Hütte ist klar, wir wollen alle noch hoch. Die Hütte ist sehr spartanisch, aber trotz Wasserknappheit und Solarstrom ein Erlebnis, auch wegen der tollen Aussicht. 700 m Aufstieg, ein etwas ausgesetzter Steig zum Schluß, aber gut zu gehen, bescheren uns noch einen letzten Höhepunkt und I-Tüpfelchen auf eine erlebnisreiche Woche. 360 Grad Rundumsicht: von Mont Blanc, Monte Rosa, Turin, Mont Viso bis zu den franz. Alpen. Ein Genuss bei sonnigem und fast klarem Wetter! Susa liegt jetzt noch 3000 m tiefer, mit Zwischenübernachtung und mit Adrenalin im Blut aber zu schaffen. Schön geht’s durch Wald hinunter mit kleinen Ausblicken ins Susatal und nach Frankreich. Es lohnt noch der Bummel durch das alte Römerstädtchen Susa. Ein schöner Abschluß! Alle haben 'ihr Bestes' gegeben, alle sind wir gesund wieder zurück! Das piemontesisches Essen, die landschaflichen Eindrücke, vorallem die Abgeschiedenheit und Einsamkeit beeindruckten wieder.

Birgit Härer