Madeira Ostküste

Spaziergänge durch Jahreszeiten, Kultur- und Naturlandschaften, Hochebenen und tiefe Schluchten, so hat sich Madeira uns präsentiert, und wir haben die vielfältigen Eindrücke in uns aufgesogen und verewigt. Die Spaziergänge haben sich allerdings manchmal als ausgedehnte Wanderungen entpuppt, wir wußten das meist im Voraus, und waren darauf vorbereitet.


Dem Motto der Wanderwoche entsprechend begannen die Wanderungen im äußersten Osten der Blumeninsel in Canical mit einer atemberaubenden Küstenwanderung – manchmal ungesichert hoch über der umbrandeten Steilküste. Betörend der Duft und die Farbenpracht der zahllosen Blumen und Pflanzen am Wege. Ein Bierchen im Küstenstädtchen Porto da Cruz war nach 6 Stunden Wanderzeit die Belohnung. Dort wurden wir von unserem Fahrer abgeholt und zum Hotel nach Santana gebracht. Wie nicht anders zu erwarten, treffen wir im Hotel auf drei prominente Schorndorfer, die uns noch wertvolle Tipps mit auf den Weg geben konnten, denn der für den nächsten Tag vorgesehene 3 km lange Tunnelgang war wegen Sperrung nicht möglich. So haben wir einen Aufstieg über einen Hohlweg gewählt, der von Ilha hinaufführt, bis eine 600 m höher gelegene Levada erreicht wurde. Es begann eine spannende Levadawanderung mit 3 Tunnels bis zum Caldeirao do Inferno ( Höllenkessel ) mit einem hohen Wasserfall in einer tiefen Schlucht. Auf dem Rückweg entlang der Levada mit den Tunnels endete ein unplanmäßiger Härtetest zwischen Schädeldecke und Tunneldecke zugunsten der Tunneldecke. Nach 7 Stunden ein glückliches Ende im Straßencafe mit einem kühlen Bierchen.
Auch am dritten Wandertag wurden wir von unserem treuen Fahrer wieder an den Ausgangspunkt unserer Wanderung zum Pico Ruivo gefahren. Der Pico Ruivo ist die höchste Erhebung der Insel mit einem kurzen Zugangsweg für Touristen, der wohl deshalb gepflastert ist. Trotzdem sehr schön und dann ein phantastischer Ausblick vom Gipfel über die ganze Insel. Die Sonne strahlt mit uns um die Wette und so legen wir eine lange Pause ein. Der Weiterweg verläuft dann allerdings auf einem schmalen Gebirgspfad mit unzähligen Treppen aller Couleur zum `leichteren` Gehen, Trepp auf – Trepp ab – Trepp auf und und … In dieser Höhenlage begann so langsam der Ginster zu blühen. Dann endlich der Abstieg durch einen einst niedergebrannten und jetzt wieder in den Spitzen grünenden Eukalyptuswald ins Nonnental. Nach endlosem Abstieg erreichen wir wieder die Hauptstraße, werden abgeholt, Kaffeepause in Curral das Freiras und mit dem Bus ins 400 m höher gelegene Hotel, einem Adlerhorst gleich, hochgefahren. Von hier eine wunderbare Sicht runter ins Dorf und nach Süden bis zum Atlantik. Am nächsten Morgen ein Nebelmeer unter uns.
Wie jeden Morgen war auch am nächsten Tag unser Bus um 9 Uhr zur Stelle und brachte uns zum Ausgangspunkt unserer nächsten Wanderung zum Pico Grande. Zunächst aber wieder ein kleiner Anstieg von 700 Höhenmetern bis zu einer Gabelung, die zu einer Rast einlud für diejenigen, die nicht den weiteren Aufstieg zum Gipfel des Pico Grande auf sich nehmen wollten. Auch die kleine Klettereinlage zum Gipfel hatte sich bei strahlendem Sonnenschein und Weitsicht ohne Ende sehr gelohnt. Den nachfolgenden ebenso schönen wie anstrengenden Hochgebirgspfad zur nächsten Unterkunft Encumeada mußten wir allerdings mit 120 Bikern einer Challenge teilen, die oftmals in rasanter Fahrt an uns vorbeihuschten, wir hatten Spaß und Unterhaltung und feuerten die sichtlich Ermatteten frenetisch an. In unserem Berghotel, das wir wieder nach 7 Stunden erreicht hatten, war unser Gepäck wie jeden Tag schon sicher und pünktlich eingetroffen. Am nächsten Tag sollte sich die Landschaft total ändern. Es stand nach einer langen Anfahrt – die kürzere Straßenverbindung war gesperrt – eine Wanderung über die karge Hochebene Paul da Serra an. Auch hier zunächst eine Gipfeleinlage auf den 1640 m hohen Ruivo do Paul, der allerdings nicht sehr viel die Hochebene überragt, die Sicht ist üppig, auch in Richtung Sao Vicente im Norden, allerdings nicht heute, denn dort ist Nebel. Danach durchwandern wir die karge Hochebene,die immerhin ca. 1400 m hoch liegt, die Blumen -vielfalt verschwindet, bis wir endlich einen kleinen Pfad erreichen, der, von Heidewald umgeben, oberhalb der Schlucht des Rio da Janelo entlang führt. Nach endlosen Treppenläufen erreichen wir nach 7 Stunden unseren Zielpunkt und werden in den kleinen Fischerort Porto Moniz gefahren, das uns mit einer schönen Strandpromenade und einem kühlen Bierchen empfängt. Auch heute ist das abendliche Diner hervorragend, danach genießen einige wenige von uns noch das kühlende Meerwasserschwimmbad mit seinen erfrischenden 19 ° C. Jetzt sind wir am westlichen Punkt unserer Wanderwoche angekommen.
Am nächsten und letzten Wandertag folgt ein weiterer Höhepunkt mit der Levadawanderung durch 9 Tunnels ( Levada da Ribeira da Janela ), wobei einer davon mehr als 400 m lang ist, natürlich stockdunkel, tiefe Pfützen am Boden und Sprenklereinlagen von oben, also eine nasse Angelegenheit, die wir ohne Zwischenfall bewältigt und genossen haben. Der folgende steile Aufstieg auf 1200 m ist dann noch sehr strapaziös und endet im Nebel. Wir sind dennoch etwas früher dran, doch unser Fahrer ist da. Er bringt uns zurück zu unserem ersten Hotel ( 4 Sterne ) in Canico de Baixo, und so können wir – 9 Damen und 6 Herren des Alpenvereins – noch einen Abend und einen ganzen Tag im Hotel oder in Funchal verbringen. Es ist Sonntag und wir fahren mit dem öffentlichen Bus nach Funchal, fahren mit der Seilbahn hoch auf den Aussichtsberg Monte mit der Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte und schlendern anschließend noch durch die Altstadt und am Hafen entlang. Damit geht eine wunderbare Insel- und Wanderwoche auf Madeira mit einer harmonischen Gruppe fast zu Ende. Der Rückflug gestaltete sich etwas zögerlich ( Fluglotsenstreik in Frankreich ), doch wir sind alle wieder wohlbehalten im Ländle angekommen und träumen immer noch und schon wieder von der Insel des ewigen Frühlings.

Karl Ostermann