Hallo zusammen!

Endlich komme ich mal dazu meinen schon längst überfälligen und zugesagten Bericht hier abzuliefern.

Also, wir sind in sechs Tagen von Füssen nach Arco gefahren. Hierbei haben wir 7428 hm und 413 km zurückgelegt. Wir hatten keine Pannen oder Stürze. Das Rad für die Tour hatte mein Sohn ausgeliehen bekommen (Vielen, vielen Dank an Gaby!). Es war ein Custom-MTB mit top Ausstattung und für ein Alu-Fully sehr leicht (ca. 11,5 kg). Bis auf einen Tag mit teilweise starkem Regen war das Wetter immer gut.

Vorgebucht hatten wir nur die Unterkunft in Füssen (Anreise mit dem Zug am Vortag), in Imst und in Arco. Sonst immer erst vor Ort, wegen der Flexibilität.

 

1. Die Route

 

Die größte Herausforderung vor der Tour war für mich das Zusammenstellen der richtigen Route – sie sollte nicht zu schwer aber auch nicht zu leicht und dennoch interessant sein.

Letztendlich haben wir uns dann doch stark an der Via Claudia Augusta orientiert. Für uns war klar, dass wir keine Tragepassagen und möglichst wenige Schiebepassagen beim ersten Alpencross haben wollten. Für die Navigation hatte ich Kopien von Kartenausschnitten (nochmals danke an Gabi und Manfred) und vor allem mein GPS-Gerät von Garmin genutzt. GPS finde ich einfach genial, hatte mir das Gerät extra für die Tour zugelegt. Für den Überblick über die jeweiligen Tagesetappen bzw. den Streckenverlauf sind Karten allerdings die erste Wahl, da dies mit dem kleinen Display des Navis einfach nicht zu machen ist.

Die Tracks für das GPS hatte ich mir einerseits aus dem Internet (www.alpenvereinaktiv.de: „Von Füssen in sechs Etappen nach Riva del Garda“) besorgt und andererseits stammten sie aus dem Buch von Achim Zahn „Alpencross Ostalpen“ (2. Auflage). Das Buch enthält eine CD mit vielen Tracks der dort beschriebenen Alpenüberquerungen. Ich hatte die Tracks der Tour Nr. 3 Oberstdorf – Gardasee auf mein Garmin geladen.

 

2. Die Etappen

 

1. Tag: Von Füssen nach Imst (1417 hm, 79 km, ca.6 1/2 Std. reine Fahrzeit)

Zunächst mit steilen Abschnitten Richtung Schloss Neuschwanstein (Tipp: Unbedingt einen Abstecher zur Marienbrücke mit super Aussicht auf das Schloss machen!!!) und weiter über die Jägeralpe zum Schützensteig (war zwar sehr nass, aber mit ein bisschen Fahrtechnik fast komplett für Tobi zu fahren), dann weiter über den Plansee, Fernpass und Nassereit nach Imst. Die Etappe war wirklich ein toller Einstieg in unseren Alpencross, zog sich aber zum Schluss doch ziemlich hin und Tobi war froh, als wir endlich gegen 18:00 Uhr am Hotel Auderer in Imst waren.

 

2. Tag: Von Imst nach Pfunds (1327 hm, 65 km, ca. 5 Std. reine Fahrzeit)

Die Übernachtung im Hotel Auderer war für uns eine ziemliche Katastrophe: Unter unserem kleinen Zimmer fand bis in die Morgenstunden eine große Hochzeitsfeier mit lauter Musik statt – Schlafen unmöglich. Nachdem ich mich zweimal beschwert hatte, gab es dann doch plötzlich gegen 23:00 Uhr noch ein anderes Zimmer für uns. Obwohl bei der Buchung Halbpension zugesagt war, hatte man uns bei der Ankunft erklärt, dass wir wegen der Hochzeit kein Essen im Hotel bekommen können. Was soll ich sagen, also uns sehen die da bestimmt nie wieder.

Wegen der unfreiwillig kurzen Nacht starten wir mit Verspätung (habe Tobi bis 08:30 Uhr schlafen lassen, wollte eigentlich um 08:00 Uhr starten) in Imst und fahren im Inntal bis Urgen. Ab hier geht es über ein kaum befahrenes Teersträßchen rechts steil bergauf nach Hochgallmig. Weiter bergauf im Wald dann auch mit flacheren Passagen bis „Schöne Aussicht“. Von Urgen bis hierhin waren es ca. 950 hm bergauf. Ab jetzt folgt einer der tollsten Abschnitte unserer Tour – ein wunderschöner, flowiger, leicht zu fahrender Trail durch den Wald. Immer weiter auf dem Höhenzug entlang bis nach Fiss und Serfaus. Hier quollen die Touris nur so aus allen Ecken, daher schnell weiter zunächst über Teer und dann ein steiles Schottersträßchen hinab ins Inntal. Jetzt noch im Inntal weiter bis Pfunds, wo wir in der Pension Gabl ein Zimmer für die Nacht bekommen.

 

3. Tag: Von Pfunds nach Naturns (1119 hm, 105 km, Fahrzeit 10 Std. mit Pausen)

Von Pfunds geht es am Inn entlang über Finstermünz nach Martinsbruck (Martina) in der Schweiz, hier dann aber nicht in den PKW- und LKW-Abgasen über den Reschenpass, sondern nach dem Grenzübergang weiter dem Inntal entlang bis nach Sclamischot und dort über eine kleine Brücke. Ab jetzt geht es auf Fostwegen und durch einen unbeleuchteten Tunnel in wechselnder Steigung bergauf, bis man kurz unter der Norbertshöhe auf die Passstraße gelangt. Weiter geht es über Nauders zum Reschensee (der mit dem Kirchturm) und von hier auf überwiegend geteerten Radwegen dem Etschtal entlang bergab bis nach Naturns. Die Etappe war mit 105 km schon sehr lange und so auch nicht vorgesehen. Da wir aber Probleme hatten, eine Übernachtungsmöglichkeit zu bekommen, mussten wir weiter fahren als gewollt. Weil es ab dem Reschensee aber nur noch bergab ging, war diese lange Distanz dennoch ganz gut zu machen. Als Belohnung für diese lange Etappe gab es abends im Hotel ein leckeres Essen und ein Spiel von unserem VFB Stuttgart im TV was dann auch noch 2:1 gewonnen wurde.

 

4. Tag: Von Naturns nach „Unsere Liebe Frau im Walde“ (1365 hm, 44 km, Fahrzeit 9 Std. mit Pausen)

Bis Lana ging es noch überwiegend bergab, dann folgte die Auffahrt zum Gampenjoch (1518m) mit dem längsten Anstieg am Stück (ca. 1300 hm) unserer Alpenüberquerung.

Ausgerechnet bei dieser Bergfahrt hat es uns dann mit einem heftigen Gewitter und viel Regen ziemlich übel erwischt. Die dreckige alte Plane mit der ein Mähwerk im Wald abgedeckt war, bot uns für kurze Zeit etwas Schutz vor dem Nass von oben. Wirklich toll war unser Unterschlupf allerdings nicht und als der Regen ein wenig nachließ fuhren wir weiter.

Auf ca. 650m kamen wir dann in das kleine Örtchen Naraun. Hier konnten wir uns im Gruberkeller erstmal aufwärmen und mit einem leckeren Kaiserschmarrn die Energiespeicher auffüllen. Die alte Wirtin hätte meinen Tobi in ihr Herz geschlossen, sie hätte das „Bubile“ am liebsten dabehalten. Nach ca. 2 Stunden ließ der Regen endlich nach und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Zunächst im Wald und später auf der geteerten Hauptstraße ging es in ca. 2 ½ Std. weiter bergauf bis zum Joch. Immer noch im Regen und bei ca. 11° C ging es jetzt auf der Hauptstraße 10 km und 150 hm bergab bis zu dem kleinen Ort „Unsere leibe Frau im Walde“. Völlig durchgefroren checken wir dort in dem schönen alten Gasthof „Zum Hirschen“ ein. Hier bekommen wir ein kleines aber sehr liebevoll eingerichtetes Zimmer. Während unsere Sachen gewaschen werden, lassen wir uns das gute Essen in dem großen, altehrwürdig Speisesaal zusammen mit den vielen anderen Gästen schmecken.

 

5.Tag: Von „Unsere liebe Frau im Walde“ nach Spormaggiore (700 hm, 53 km, Fahrzeit 6 Std. mit Pausen)

Als der Wecker um 06:45 Uhr klingelt regnet es in Strömen. Ich drehe mich um und wir stehen erst um 8:00 Uhr auf. Wir lassen es heute gemütlich angehen und starten nach dem Frühstück erst gegen 11:00 Uhr. Inzwischen hat der Regen aufgehört und die Sonne scheint bei 13°C Lufttemperatur.

Die heutige Etappe führt uns durch große Obstanbaugebiete fast ausschließlich auf geteerten Hauptstraßen über Cles nach Spormaggiore. Trotz der auch hier schönen Landschaft sehen wir uns nach einem anderen Fahrbahnbelag (am liebsten wäre uns gar keiner;-) und kleineren Wegen und Sträßchen.

Gegen 17:00 Uhr kommen wir in dem Örtchen Spormaggiore an. Tobi möchte gerne direkt weiter nach Andalo fahren aber da dies noch 10 km und ca. 600 hm bedeuten würde und wir dort auch noch eine Unterkunft suchen müssten, beschließe ich heute nicht mehr weiter zu fahren.

In Spormaggiore tanzt zwar nicht der Bär, aber es gibt ein Informationsbüro zu den hier in der Gegend noch frei leben Bären (ital. Orso). Hier erfahren wir, dass die Unterkünfte im Ort ziemlich ausgebucht sind. Im Albergo Alt Spaur bekommen wir dann doch noch mit viel Glück ein kleines, schmuckloses Dachzimmer mit Gemeinschaftsdusche auf dem Flur.

 

6. Tag: Von Spormaggiore nach Arco ( 1500 hm, 67 km, Fahrzeit 9 ½ Std. mit Pausen)

Von Spormaggiore aus geht es zunächst rauf und runter durch Obstplantagen und dann einen steilen Anstieg (Betonrampe) hinauf nach Andalo. Ohne Halt lassen wir den kleinen Ort hinter uns und fahren weiter nach Molveno mit seinen vielen Touristen und zum gleichnamigen See. Am Seeufer entlang geht es auf einem schönen unbefestigten Weg durch den Wald nach Nembia. Am Lago di Nembia machen wir Mittagspause. Hier treffen wir auf zwei Mountainbikerinnen aus Bayern, eine Mutter mit ihrer 14-jährigen Tochter. Beide sind morgens in Cles gestartet und wollen noch bis an den Gardasee fahren.

Die Route von Achim Zahn würde ab hier eigentlich über Ranzo ins Sarca-Tal und dann weiter bis Arco und an den Gardasee führen. Diese Variante wollte ich aber nicht machen, sondern über St. Giovanni al Monte und Padaro nach Varignano zu unserm Ziel nach Arco fahren. Eine Route hierzu hatte ich allerdings nicht. Bis St. Giovanni al Monte hätte ich mir mit Hilfe der Landkarte eine Strecke gesucht. Ab St. Giovanni wäre es dann nur noch ca. 1000 hm bergab über Padaro nach Varignano und Arco gegangen. Eine Strecke die ich schon oft in die entgegengesetzte Richtung gefahren bin und gut kenne.

Aber auch diese Variante sind wir nicht gefahren, sondern haben uns von den beiden Damen deren Route schmackhaft machen lassen. Sie sollte weniger anstrengend sein und über das Val di Lomasone nach Tenno und schließlich zum Gardasee führen.

Vielleicht sind wir dann doch nicht genauso gefahren, wie uns die Strecke beschrieben worden war, jedenfalls war unsere Route zum Schluss doch noch ein ziemliches anstrengendes Stück Arbeit – nämlich das härteste Stück der ganzen Tour. Der Weg im Val di Lomasone steigt zunächst langsam an und wird dann immer steiler bis er zu einem schmalen sehr steilen und unbefahrbaren Schotterweg wird. Teilweise musste ich beide Räder schieben und über hohe Stufen oder große Steine heben.

Tobi musste ich zeitweise motivieren, da der Anstieg einfach nicht enden wollte. Er hat es aber super gemacht und wollte auch möglichst immer selbst das Rad schieben oder wenn es ging fahren.

Endlich am höchsten Punkt dieser Etappe angekommen (Rif. St. Pietro) ging es ab hier nur noch ca. 900 hm durch verschiedene kleine Ortschaften bergab mit tollen Blicken hinunter auf Riva, den Monte Brione und den Gardasee. Das letzte Stück verlief dann teilweise auf steilen Beton-Rampen und durch schöne Olivenhaine bis Varignano. Ab hier sind wir dann auf der Straße die letzten ca. 3 km nach Arco gefahren.

Müde und sehr glücklich erreichen wir gegen 18:30 Uhr den Marktplatz von Arco. Wir holen uns erstmal ein großes Eis in unserer Lieblingseisdiele und schauen dem Treiben auf dem Platz zu. Als ich so mit den vielen Eindrücken der letzten Tage im Kopf dasitze, wird mir plötzlich bewusst dass die Tour definitiv zu Ende ist. Irgendwie finde ich das dann doch ein wenig schade, denn ich glaube, wir hätten noch ewig so weiterfahren können.

Nach zwei Übernachtungen im Hotel Garden Arco sind wir morgens mit dem Bikeshuttle, Fahrservice-Süd aus Kempten, ab Torbole zurück nach Kempten gefahren. Nach einem Verwandtschaftsbesuch dort, ging es dann am nächsten Tag mit der DB zurück nach Schorndorf.

 

Last but not least:

Uns beiden hat die Tour riesigen Spaß gemacht. Ich bin froh, beim ersten Mal keine schwerere Tour gewählt zu haben. Mein Sohn ist am liebsten hinter mir gefahren. Das richtige Tempo für ihn konnte ich schon seit unseren Trainingsrunden ganz gut einschätzen. Wenn`s dann doch mal zu schnell oder langsam war, kam von hinten das entsprechende Kommando. Ich habe es natürlich auch meinem Sohn überlassen, ab wann er lieber schieben möchte oder ich ihn ein bisschen schiebend unterstützen soll (kam höchstens 3 Mal vor)

Die nächste Tour möchte er lieber in noch höheren Regionen mit Übernachtung auf Hütten statt in Hotels und mit weniger Teeranteil auf den Strecken unternehmen. Das trifft sich gut, denn mir geht es genauso.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Bericht dem ein oder anderen Leser selbst Lust auf solch ein unvergessliches kleines Abenteuer mit den eigenen Kindern gemacht hat.

Lasst es mich wissen, wann ihr startet

LG Daniel